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Liebe Freunde und Freundinnen!

Hier mein Brief mit Gedanken, Tipps und Liebhabereien, Sinn und Unsinn für den Monat August:

 

Seit vielen Jahren gibt es diesen Monatsbrief nun schon und heute fällt mir zum ersten Mal auf, dass ich Euch in all diesen Jahren immer mit "Liebe Freunde!" angesprochen habe, obwohl wahrscheinlich die Freundinnen bei der Leserschaft die Mehrheit stellen. Scheinbar hat sich aber niemand daran gestört, denn bis heute habe ich nicht eine Zuschrift dazu bekommen. Das könnte mehrere Gründe haben: Entweder ist es Euch einfach wurscht, weil Ihr Euch trotzdem angesprochen fühltet, oder es fiel Euch wie mir nie auf, weil Ihr Euch mit ganz Anderem beschäftigt, oder Eure Freude über einen neuen Clementi-Brief war stets so groß, dass Ihr immer darüber hinweg gesehen habt. Ich will jetzt einfach mal das Letztere glauben, bin aber trotzdem neugierig, von Euch zu hören, wie es darum steht. (Schreibt mir an info@clementi.de)

 

Jedenfalls habe ich gerade im ZEIT-Magazin einen Beitrag von Sophie Passmann gelesen, der sich mehr mit den Vorzügen und der Schönheit des Genderns, als mit der Zumutung des Gendern-Unterlassens beschäftigt (lest hier) und schon tut sich was bei mir. All das sagt wahrscheinlich weniger über meine Haltung zu einer gendergerechten Welt aus, als vielmehr darüber, dass ich mir viel lieber etwas schmackhaft machen lasse, als etwas verboten zu bekommen.

 

Schaut Euch z.B. dieses Foto meiner heurigen Straßentheater-Inszenierung "Der Diener zweier Herren" von Carlo Goldoni an. Würdet Ihr auf die Idee kommen, uns kulturelle Aneignung vorzuwerfen? Im Theater und besonders im komischen Theater, arbeiten wir oft mit Klischees. Sie haben etwas Verbindendes indem sie etwas zeigen, das jede*r wiedererkennt und etwas Befreiendes, wenn das Beobachtete übergroß und damit komisch dargestellt wird. Selten geht es um Herabsetzung, oft geht es um etwas Kritik und meistens um Würdigung des Geschilderten. Aber anstatt über sich zu lachen, oder sich über die Aufmerksamkeit zu freuen, zelebriert die Welt das Beleidigt-Sein und spricht von kultureller Aneignung. Ich halte das für gefährlich. 

Man sollte eine Gegenbewegung starten und die kulturelle Aneignung ins Positive verdrehen. Je mehr (fremde) Kultur ich mir aneigne, desto weitsichtiger, runder und weniger Ich-bezogen bin ich. Ist das ein blöder Gedanke? Vielleicht könnten wir in Zukunft mehr von kultureller Wertschätzung reden.

 

 

Zitat des Monats

„Toleranz ist die zentrale Tugend, ohne die keine Gesellschaft als freiheitlich-offen bestehen kann. Gesellschaften, in denen nicht (mehr) ertragen wird, dass andere anders aussehen, anders glauben, anders fühlen, anders denken, anders reden, anders handeln und ja: über andere Witze lachen als man selbst, verhärten sich. Gesellschaftliche Auseinandersetzungen werden zu Machtkämpfen darum, wer die Regeln festsetzt, denen die sich schließende Gesellschaft zu gehorchen hat.“

Thea Dorn

 

 

 

 

Kulturelle Aneignung des Monats

Ich habe in den 90er Jahren Gert Voss am Wiener Akademietheater als schwarz geschminkten Othello gesehen und er und Ignaz Kirchner als Jago haben mir einen unvergesslichen Theaterabend beschert. Wahrscheinlich würde George Tabori heute für diese grandiose Inszenierung gegeißelt werden.

 

 

 

 

Interview des Monats

Ich möchte Euch noch ein Gespräch mit der Philosophin Ursula Renz im Deutschlandfunk ans Herz legen, die das ganze Thema der sogenannten kulturellen Aneignung ähnlich kritisch sieht wie ich.

Klickt hier!

 

 

 

 

 

 


So nun reicht es mal damit. Kommen wir zu erfreulicheren Dingen. Z.B. zu den...

 

 

Kritiken des Monats

Bis zum 8. August läuft unser Salzburger Straßentheater noch. Also falls Ihr es noch nicht gesehen habt, beeilt Euch!
Und wenn Ihr es nicht mehr schafft,

klickt hier,

dann könnt Ihr Fotos dazu sehen und darüber lesen.

 

 

 

 

 

Foto des Monats

Wer allerdings dabei war, weiß, dass wir heuer unseren Theaterwagen als Köche aufbauen. So war es auch am Tag vor den großen Regengüssen in Hallein. Davor haben wir uns etwas gestärkt und dabei hat Max Fischnaller am Kornsteinplatz dieses Foto von mir geschossen.
Die Nudeln waren übrigens exquisit.

 

 

 

App des Monats

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob ich Euch radiooooo schon einmal empfohlen habe. Aber lieber als Euch diese wunderbare Homepage vorzuenthalten, riskiere ich die Wiederholung.

Klickt hier!

Sucht Euch ein Land und ein Jahrzehnt aus und hört die Musik dazu!

 

 

 

 


Vor allem aber lebt fröhlich!

Euer

Georg