Kritiken

02.08.2017 - Dorfzeitung

„Der Vorname“ – eine frische, sommerliche Gesellschaftskomödie

Alle Fotos stammen vom 29. juli 2017 von der Aufführung in Lamprechtshausen

Das Salzburger Straßentheater unterhält heuer mit dem bitterbösen Konversationsstück des französischen Autorenduos Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patelliére das Publikum in Stadt und Land Salzburg. Am 28. Juli 2017 sorgte die groß aufspielende Komödiantentruppe in Hallwang für beste Stimmung.

Nicht nur um einen der begehrten Sitzplätze zu ergattern, sondern auch um die Truppe beim Aufbau der doch recht aufwendigen Bühne zu beobachten, sollte man nach Möglichkeit eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung eintreffen. Dann kann man miterleben, wie aus einem relativ schlichten Gefährt mit ein paar Handgriffen ein französisches Landhaus mit Dachterrasse und einer mit Lichterketten geschmückten Gartenlaube wird. Für das passende Flair sorgt währenddessen Eric Lebeau mit französischen Chansons.

Hier also soll eine kleine Gartenparty im Familienkreis stattfinden. Elisabeth, die Gastgeberin, werkelt fleißig in der Küche am marokkanischen Buffet. Ihr Gatte Pierre, Professor für französische Literatur, ist dabei eher hinderlich als Hilfe. Claude, der Posaunist, den man schon aus Kindertagen kennt, erscheint im Frack, kommt er doch direkt von einem Konzert. Elisabeths Bruder Vincent prahlt mit seinem neuen SUV ebenso wie mit dem Ultraschallbild seines zu erwartenden Sohnes.

Die Enthüllung des geplanten Vornamens lässt die bisher friedliche Stimmung allerdings kippen, denn Vincent behauptet provokant: „Adolph“, nach einem großen Helden der romantischen Literatur. Ob nun Adolph oder Adolf, die Runde ist fassungslos, der Name löst grenzenlose Entrüstung aus. Wie kann man sein Kind nur nach einem der größten Verbrecher der Geschichte nennen? Man wirft sich gegenseitig Beleidigungen an den Kopf, bis die Situation gänzlich eskaliert. Kaum zu glauben, dass gerade der zurückhaltende Claude mit der Bekanntgabe eines wohlbehüteten Geheimnisses die Streithähne endlich zum Schweigen bringt.

Regisseur Georg Clementi nimmt als Spielleiter das Publikum mit auf eine Reise in menschliche Abgründe und schlüpft gleichzeitig in die Rolle des arroganten, überheblichen Pierres, der durch einen dummen Scherz den verbalen Schlagabtausch auslöst. Ob das seine zickige Freundin Anna (Susanne Seimel) auf Dauer aushalten wird? Detlef Trippel gibt den knausrigen, besserwisserischen Literaturprofessor, dem seine Gattin (Anja Clementi) in einer großartigen Szene ordentlich die Leviten liest. Alex Linse darf lange durch Zurückhaltung glänzen. So rechnet keiner damit, dass er nach einer untergriffigen Beleidigung ordentlich zurückschlägt.

Die typisch französische Gesellschaftskomödie (Nein, sie ist nicht von Yasmina Reza, wie man vermuten könnte!) besticht durch witzige Dialoge und hohes Tempo. Immer wieder vergnüglich zuzusehen, wenn auf der Bühne schmutzige Wäsche gewaschen wird und Dinge gesagt werden, die man sich vielleicht zwar denkt, doch nicht auszusprechen wagt.

Originalkritik mit vielen Bildern zu finden sie unter: http://dorfzeitung.com/archive/46710

Autor: - Elisabeth Pichler

27.07.2017

Der Vorname – Salzburger Straßentheater

Eine Komödie ist eine Komödie ist eine Komödie ist eine Komödie.

Parlez-vous français? Nein? Auch egal – bei DER VORNAME wird zwar französischer Humor ausgepackt, aber in deutscher Übersetzung. Gelungen!

„Wenn sie kein Geld für die Festspiele haben, dann sollen sie doch ins Theater gehen!“ – So oder so ähnlich könnte Marie Antoinette den Kulturhunger im Volk kommentieren und für empörten Protest sorgen. Tatsächlich funktioniert das kulturelle Paradoxon aber erstaunlich gut. Sommerzeit bedeutet in Salzburg Straßentheaterzeit – seit 1970 tourt die mobile Theaterkutsche bereits durch die Gassen und dringt bis in die hintersten Gemeinde-Winkel vor. Im Gepäck des mittlerweile modernisierten Wagens die Kulissen, davor die Stiegl-Bierkutschen-Noriker. Meistens zumindest. In Lehen wurden ‚Lord‘ und ‚Lenz‘ vom Traktor vertreten. Gut, auch schon egal, denn wegen des Regens wurde das Ganze ohnehin nach innen verlagert. Viel wichtiger ist außerdem sowieso das Spiel auf der Bühne und eine Erkenntnis.

Ganz eigentlich sind es sogar zwei Erkenntnisse. Mit Georg Clementi als neuem Intendanten im zweiten Jahr zeichnet sich eine internationale Humor-Linie ab. Nach dem italienischen Auftakt und Dario Fos BEZAHLT WIRD NICHT, steht diesen Sommer Frankreich mit DER VORNAME von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière auf dem Spielplan. Und das führt direkt zu Erkenntnis Nummer Zwei! Französische Komödien neigen zu Yasmina Reza-Strukturen. Tatsache. Die französische Autorin macht es immer wieder vor: Regisseur*in nehme ein bourgoises Milieu und ein paar Freunde*innen, mische sie mit einer Lappalie und et voilà, die harmlose Bagatelle mutiert zum explosiven Schlagabtausch – sehr zur allgemeinen Publikumserheiterung.

In aller Plotkürze

Vincent erlaubt sich einen Scherz. Bei der heiteren Gartenparty im engsten Kreis erzählt er Familie und Freunden, dass seine schwangere Lebensgefährtin Anna und er den gemeinsamen Sohn ‚Adolphe‘ nennen werden. Das sitzt. Adolphe? Die anderen können es nicht fassen. ‚Adolphe‘ klinge ja wie ‚Adolf‘ und da ist die rechte Assoziation nicht fern. Aufgeregt reden alle durcheinander und wollen Vincent zur Räson bringen. Der genießt seinen kleinen Scherz auf Kosten der anderen in vollen Zügen, bis die Situation außer Kontrolle gerät und jahrelange Freundschaften plötzlich auf der Kippe stehen.

Service? Exzellent

Georg Clementi bleibt der französischen Note der Komödien-Vorlage treu und inszenierte DER VORNAME als fröhlich heiteres Studiostück mit gestraffter Straßentheater-Kompatibilität (Ausstattung: Andreas Lungenschmid, Bühnenbau Harald Schöllbauer, Maske und Garderobe: Andrea Linse, Kulinarik: Susanne Seimel). Die Pointen werden nonchalant und im heimeligen Rahmen einer Gartenparty serviert. Das funktioniert vorzüglich, was nicht nur am Bühnenbild, sondern auch am szenischen Arrangement liegt. Das Setting hält wenig von geradliniger Bestuhlung; die Inszenierung setzt lieber auf ein Miteinander in Commedia dell’Arte-Manier und platziert den Wohnzimmertisch im Publikum. Darum herum drapieren sich die Schauspieler*innen mit Hang zur Interaktion. Immer wieder verschwimmen die Komödien-Grenzen in traditioneller Fasson, wenn Tableaus mit kleinen Häppchen durch die Zuschauerreihen gereicht und künstlerische Distanz gezielt gebrochen werden. Der Plan geht auf, das Publikum ist Teil der Gartenparty.

Komödienhandwerk

Wo Komödie draufsteht, sollte auch Komödie drin sein. Bei DER VORNAME sind diesbezüglich keinerlei Bedenken angebracht: Es fliegt der Humor und sitzt jede Pointe. Weil Regisseur G. Clementi noch dazu Schauspieler ist, mischt er sich auch gleich selbst unters Ensemble. Sein Vincent zeigt nicht nur einen Hang zu makaberen Humor; gleichzeitig oszilliert er zum auktorialen Erzähler und führt mit kleinen Seitenhieben in die Handlung ein – Fußnoten inklusive. Der Schauspieler genießt die bisweilen diabolischen Spielereien seiner Figuren sichtlich und schreckt auch vor einem lautstarken Schreianfall nicht zurück. Schwester Babou (Anja Clementi) lässt es da schon ruhiger angehen. Emsig um Frieden und Harmonie bemüht, wuselt die perfekte Personifikation einer bourgeoisen Lehrerin durch den Abend. Immer wieder eilt sie ins Kinderzimmer, um Söhnchen Adonas zu beruhigen (der zu unheimlichem Weinen tendiert, das vieles ist, nur nicht kindlich), oder in die Küche, um Nachschlag zu holen. Umso dramatischer allerdings, als unvermutet Babous charmant-bemühte Fassade bricht. Da ist sie, die emotionale Sturzflut, und bahnt sich einen so aggressiv lauten Weg nach außen, dass sogar Vincent vor Schreck verstummt. Die zweite Hälfte des Bourgeoisie-Pärchens bildet Pierre (Detlef Trippel), ein Literaturprofessor. Natürlich, wenn schon Stereotype, dann aber richtig. Deshalb heißen ihre Kinder auch Adonas und Athena. D. Trippel kostet seine Rolle voll aus: Versnobt und von sich eingenommen, korrigiert Pierre mit Vorliebe die Bildungslücken der anderen. Vor lauter Sticheleien und Sich-überlegen-Fühlen übersieht er allerdings gerne die eigenen Fehler – auf die machen ihn deshalb immer wieder wieder fürsorglich Schwester Babou und Schwager Pierre aufmerksam. Friede zieht mit Anna (Susanne Seimel) ein und… währt nicht lange (Hallo, das ist eine französische Komödie!). Denn auch die gute Laune der Schwangerschafts-Raucherin hat so ihre Grenzen, die S. Seimel mit Hingabe den Kollegen*innen an den Kopf knallt. An seine eigenen gerät auch irgendwann der ewig ausgeglichene, joviale Claude (Alex Linse). Der treue Freund verbirgt ein brisantes Geheimnis, das den Auftakt zum Crescendo der Gartenparty gibt. Köstlich!

Während es auf der Bühne langsam zu brodeln beginnt und der Theater-Topf mit starken Emotionen überzukochen droht, wird Musik drüber gestreut. Mit Eric Lebeau hat das Straßentheater seinen eigenen französischen Haus- und Hof-Musiker an Bord. Eine gelungene Ergänzung, auch wenn das musikalische Arrangement anfangs an Cluburlaub oder Kinderparty denken lässt („und jetzt alle mitsingen!“). Das Gros des Publikums stimmt trotzdem mehr als freudig ein, was offenbar nur wenige verwundert und der staunenden Verfasserin einen Rüffel von ihrer Nachbarin beschert. Später darf der Theater-Musikus mit seinen französischen Chanson-Klassikern die Streithähne und -hennen besänftigen. Der eine oder andere post-theatrale Ohrwurm springt dabei auch noch raus.

Georg Clementis DER VORNAME ist so französisch, wie eine französische Komödie im Ausland nur sein kann, und noch viel mehr – kein Wunder also, dass sich die Produktion anfühlt wie ein kleines Stück Frankreich – in Salzburg! Nachschlag gefällig? Das Straßentheater tourt noch bis Mitte August durchs Land.. 

 

Termine Straßentheater
Fotonachweis: Birgit Probst

Autor: - Veronika

23.07.2017 - DrehPunktKultur

Autor: - Werner Thuswaldner

22.07.2017 - Salzburger Nachrichten

Autor: - Verena Schweiger

31.03.2017 - St. Galler Tagblatt

Zu seinen Liedern inspiriert ihn das Magazin

Sänger mit Körpereinsatz: Georg Clementi. (Bild: Leo Fellinger)

CHANSON ⋅ Der österreichische Sänger und Schauspieler Georg Clementi gastiert mit «Zeitliedern» erstmals in der Schweiz. In der Kellerbühne begeistert er mit Liedern, zu denen ihn Pressetexte animiert haben.

Woher kommen die Ideen für Lieder? Georg Clementi ist freilich nicht der Erste, der sich durch Schlagzeilen und Zeitungsmeldungen zu einem Lied inspirieren liess. Aber so konsequent wie der österreichische Sänger hat das wohl bislang kaum einer zum Programm geformt. Denn seine «Zeitlieder» sind deutschsprachige Chansons, deren Texte von Kolumnen, Interviews und Reportagen aus der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» und ihres Magazins inspiriert sind.

Im Verlauf des sehr kurzweiligen, manchmal nachdenklichen, doch meist beschwingten Liederabends in der Kellerbühne weist Clementi darauf hin, welche «Zeit»-Autorin oder welcher «Zeit»-Autor denn Patin oder Pate stand. Sein Lied «Liebe, Tod und Wetter» über eine Zugfahrt von München nach Berlin beispielsweise war der Titel eines Interviews – es inspirierte den Musiker zu einem Chansontext über ein langes Gespräch im Zug. Während der Tonfall in den meisten Liedern heiter und ironisch ist, scheut der stimmlich ausdrucksstarke Chansonnier nicht vor ernsten, traurigen Themen zurück. «Lied eines Soldaten» – es beruht auf dem «Zeit»-Text «Was ist ein Krieg?» – beschreibt aus der Sicht eines Soldaten dessen Emotionen und Gedanken, nachdem er erstmals jemanden erschossen hat. Ebenso eindringlich «Der Kinderknast von Lesbos» über einen jugendlichen Flüchtling aus Afghanistan.

Virtuose Begleitung, stilistisch facettenreich

«Das müssen sie nun eben ertragen», meinte der Sänger bei diesen zwei eher bedrückenden Chansons zum Publikum. Von wegen «ertragen», ist es doch «Berührtheit», die sie bewirken. Und ihre Melancholie hält auch nicht lange an. Dafür ist Clementi ein viel zu charmanter Wirbelwind und seine Musiker Ossy Pardeller (Gitarren) und Sigrid Gerlach-Waltenberger (Akkordeon) – aus ihrer Feder stammen die meisten Kompositionen – viel zu virtuos. Zwischen Musette-Romantik, mediterraner Lebensfreude, modernem Grossstadt-Swing und rockigen Elementen bewegt sich die musikalische Stilpalette so facettenreich wie die thematische Bandbreite der Lieder. Mit charismatischer Ironie zelebriert Clementi den Konsumrausch oder seziert bitterböse die Billigpreis-Gier. Man leidet mit ihm, wenn er auf der Suche nach dem Frühling immer weiter in den Süden fährt – und er stattdessen im Strassencafé frieren muss. Oder wenn er mit genussvoller Schadenfreude von der 17-jährigen Tochter erzählt. Der gelingt es nach erfolglosen Provokationen mit Piercings und Punk-Phase doch noch, ihr abgeklärte und tolerante Familie zu schockieren: – weil sie nun Muslima sein will.

Was das Trio von etlichen Chansonabenden abhebt, ist zudem die ansteckende Präsenz von Clementi, der seinen Zweitberuf als Schauspieler voll zur Geltung bringen kann: kaum ein Lied, bei dem er still sitzt. Meist ist er in Bewegung, tänzelt oder hüpft im Rhythmus zwischen den beiden Musikern, unterstreicht mit seinen Armen, Gesten und Mimenspiel seine Liedtexte. Das kann einem teilweise ein wenig zu exaltiert vorkommen, scheint ihm aber ganz in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Und es unterstreicht die Energie und Leidenschaft seines Auftritts. Sein erstes Gastspiel in der Schweiz macht Georg Clementi zu einer lohnenden Entdeckung.

Klickt hier um die Kritik auf der Originalseite zu lesen
Autor: - Andreas Stock

30.11.2016 - http://www.whatisawfromthecheapseats.com

Der Messias – Kleines Theater

Britischer Humor goes Österreich.

Zwei Männer, eine Bühne und ganz viel Komödie: DER MESSIAS im Kleinen Theater in Salzburg. Die etwas andere Weihnachtsgeschichte glänzt mit lockerem Witz und noch mehr guter Laune.

Normale Weihnachtsgeschichten kann jeder, ausgefallene nur wenige. Das dachte sich vermutlich auch Patrick Barlow und verfasste mit DER MESSIAS eine Weihnachtskomödie der etwas anderen Art. Es trifft sich hervorragend, dass die aktuell gerade in Salzburg am Kleinen Theater zum besten gegeben wird. Denn Fabian Kametz inszenierte das heitere Treiben, das vorzüglich – wer hätte das gedacht – auf Weihnachten einstimmt, turbulent und alles andere als besinnlich. 

Mit Edi Jäger und Georg Clementi ist das Zwei-Mann-Stück wunderbar besetzt. Da kann dann ja eigentlich auch gar nichts mehr schiefgehen. Und tatsächlich, die zwei Mimen haben nicht nur ihr Können und jede Menge Theatererfahrung im Gepäck, sondern sogar ihr eigenes, personalisiertes Bühnenbild. Das beschränkt sich höchst praktikabel auf zwei Flipcharts  und eine Wundertruhe à la Mary Poppins; ein nie enden wollendes Arsenal an Requisiten ist damit garantiert.

Es war einmal…

Naturgemäß startet die große Weihnachtsgeschichte im Jahre Null. Edi (E. Jäger) und Georg (G. Clementi) übernehmen alle Rollen und interpretieren mit Inbrunst. Freilich sind bei so viel Eifer und Enthusiasmus auch der eine oder andere, ok, die einen oder anderen Konflikte vorprogrammiert. Georg entpuppt sich bereits eingangs als der Anführer, der gerne das Geschehen strukturiert. Sein Streben nach Perfektion bekommen Edi und die Lichttechnik zu spüren, aber auch das Publikum. Empört bricht Georg kurzum die Szene des Volkes ab; aufgrund pubertären Verhaltens seitens des Publikums, wie er beleidigt äußert. Wenig später schmollt auch schon Edi zum ersten Mal. Es ist dieses Hin und Her, ein Nehmen und Geben, ein sich Streiten und wieder Zusammenfinden, das das Publikum köstlich unterhält. Und ja, dazwischen wird auch noch das Weihnachtsevangelium originell rekapituliert. E. Jäger und G. Clementi alternieren dafür problemlos zwischen ihren Alter Egos und den diversen Rollen, die wiederum die Alter Egos übernehmen. Gar nicht so einfach, da noch den Überblick zu wahren und die Rollen von den eigentlichen Mimen zu differenzieren. Es zeugt von der Qualität des Schauspiels, dass irgendwann tatsächlich sämtliche Ebenen im Kopf der theatererprobten Zuschauerin durcheinander geraten und erst wieder genüsslich entwirrt werden müssen.

Das Repertoire

Wortwitz und Handlung sind in F. Kametz MESSIAS‘ nicht nur eng miteinander verwoben, sondern werden von den Schauspielern prompt und prononciert auf den Punkt geliefert. Die erstaunlich wenigen Mitteln, die ihnen dabei zur Verfügung stehen, setzen sie gekonnt in Szene. Neben den obligatorischen Palästinensertüchern nutzen sie vor allem auch den eigenen Körper und ihre Mimik, um den verschiedenen Darstellungen das Tüpfelchen auf dem Handlungs-i zu verleihen. Das gelingt hervorragend. Höchst amüsant wird es vor allem dann, wenn plötzlich ein König Herodes (E. Jäger) in bayrischer Sprachmelodie flammende Reden schwingt. Aber auch die zwei Hirten Abdullah (E. Jäger) und Schlomo (G. Clementi), die im Salzburger und Tiroler Regiolekt parlieren, sorgen für großartige Unterhaltung. Außerdem sind die Zwei vermutlich auch die ganz eigene Version einer gelungenen völkerverbindenden Freundschaft. Wo doch der „Salzburger“ Abdullah arabischer und der „Südtiroler“ Schlomo jüdischer Herkunft ist.

Pointierte Zeichnungen, symbolhafte Andeutungen und eindeutig verfasste Nachrichten des praktikablen Bühnenbilds runden das turbulente vorweihnachtliche Geschehen ab. Mit der Hilfe der Flipcharts wird aus einer simplen Leiter plötzlich ein weißes Dromedar oder ein sturer Esel. Außerdem ist in den humorigen 100 Minuten selbstverständlich auch die Geburt Jesu „live“ mitzuerleben. Fachgerecht kommentiert durch die Hebamme (E. Jäger) und den engagierten Göttergatten Josef (G. Clementi). Letzterer erteilt auch gerne Ratschläge zur Lotusgeburt (oder wie immer das präferierte Nabelschnur-Modell nun genau lauten mag).

Und sie lebten…

Selbstverständlich endet der Abend mit einem Happy End. Das Sujet liefert immerhin das Weihnachtsevangelium und ist die Geburt Christi nicht ein Fest der Liebe, des Friedens und so weiter?! Eben. Das gilt dann auch für Edi und Georg. Da verwundert es nicht, dass nach so einer weihnachtlichen Komödie ein tatsächlich nur als vorweihnachtlich zu benennendes Gefühl in der Zuschauerin aufflammt. Und das Ende November. Wie sich das dann wohl im Dezember erst anfühlen mag?! 

 

Die Orginalkritik finden Sie hier.

Autor: - VS

29.09.2016 - DrehunktKultur

KAMMERSPIELE / BERICHT FÜR EINE AKADEMIE

29/09/16 Der Affe gibt jetzt in den Kammerspielen Zucker, durchwandert pointiert die Grenzen der Menschlichkeit. Kafkas „Ein Bericht für eine Akademie“ hatte Mitte Mai in Seekirchen Premiere, nun lässt der Affe in den Kammerspielen hören, wie man mit unsereinem umgeht.

Menschenaffen sind, das bestätigen schon die ersten zwei Silben des Wortes, verwandt mit Menschen. Menschenaffen haben sogar ein zu 97 Prozent identisches Genom wie die menschliche Spezies. Dass wir Menschen dieses Faktum in unserem Denken oft umgehen und uns „nicht zum Affen machen“ wollen, hat Kafka in seiner Satire „Ein Bericht für eine Akademie“ bissig aufs Korn genommen. Carl Philip von Maldeghem inszenierte Kafkas Satire schlicht und aussagekräftig als Ein-Mann-Stück mit dem grandios wendigen und wandelbaren Georg Clementi

Menschen sitzen in einer Akademie und begaffen einen Affen, der Rotpeter heißt und seine Menschwerdung in einer leidenschaftlichen Rede erläutert. Er beschreibt den Ausweg aus seiner Gefangenschaft auf einem Schiff, indem er in die Menschlichkeit flüchtete. Die Show, welche zum „Menschsein“ gehört, versteht Rotpeter schnell anzunehmen: „Ach, man lernt, wenn man muss.“ Wenn man Rotpeter als Farce verstehen will, muss man auch den Menschen als solche begreifen, denn er äfft uns nach, er überzeichnet nur wenig, sondern lässt die schauerliche Menschlichkeit in seiner Darstellung aufblitzen. Kafka entblößt uns mit der Einsicht, Mensch zu sein und beschenkt uns mit der Erkenntnis, dass Menschen so affig sind, wie sie versuchen menschlich zu sein.

Die Aussage des schon an sich starken und gehaltvollen Textes wird durch die expressive Spielweise von Georg Clementi verstärkt. Man kam nicht umhin, die Wandelbarkeit und Körperbeherrschtheit dieses Mannes sowohl als Affe, als auch als Angehöriger der „Herrenrasse Mensch“ zu bewundern. Die Inszenierung spielt nicht nur mit der gekonnt eingesetzten Projektion auf eine Leinwand, sondern auch auf die menschlichen Gewohnheiten, gibt somit dem Affen Zucker – und Stoff zum Nachdenken auf dem Heimweg.

Aufführungen bis 30.12. in den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters – www.salzburger-landestheater.at

Bilder: Salzburger Landestheater / Anna-Maria Löffelberger

Zum Premierenbericht aus Seekirchen
Der Primus unter den Pares

Autor: - TERESA SULAMITH BAUER

11.08.2016 - whatisawfromthecheapseats.com

Bezahlt wird nicht – Salzburger Strassentheater

Das Salzburger Straßentheater in neuem Kleid.

Mit der Komödie BEZAHLT WIRD NICHT startete das Salzburger Straßentheater unter der Leitung von Georg Clementi voller Temperament und sichtlich motiviert in den Sommer.

Die Bierrösser samt nigelnagelneuen Wagen stehen etwas verloren am Straßenrand, als viele glückliche Gesichter aus der Tribüne Lehen strömen. Bei ihrem zweiten Besuch  in einem der am dichtesten besiedelten Stadtteile Salzburgs brachte die unbeständige Wetterlage Rösser und Wagen um ihren großen Auftritt. Der guten Publikums-Laune tat das aber keinen Abbruch. Überhaupt war die Vorfreude groß, immerhin ist diesen Sommer alles neu: Leitung und Wagen.

Letzterer musste also dank Regen pittoresk vor der Tür parken, Ersterer saß in den vorderen Reihen. 2016 übernahm Georg Clementi die Leitung des Salzburger Straßentheaters, einer beliebten Salzburger Institution, die von Ende Juli bis Mitte August mit professionellen Schauspieler*innen durch die verschiedene Stadt- und Landbezirke von Salzburg tourt. Bei freiem Eintritt wird unter (meistens) freiem Himmel auf Plätzen und in Parks aufgespielt, Stiegls Bierrösser und der obligatorische Theaterwagen immer mit dabei.

G. Clementis Inszenierung von Dario Fos Komödie BEZAHLT WIRD NICHT trifft zielsicher den Nerv der Zeit. Die italienische Volkskomödie sorgt mit einem höchst engagierten Ensemble für jede Menge gute Stimmung und ziemlich viel sozialkritische Laune.

Rot das ist die Farbe der Arbeiterbewegung. Rot gekleidet sind auch die Ensemble-Mitglieder des Straßentheaters, die sich bereits vor Show-Beginn unter das Volk mischen. Es gilt die Kulisse aufzubauen und dabei wird bereits das eine oder andere Arbeiterlied angestimmt und sozialistische Schlager geträllert. Das führt zu erstaunlichen Erkenntnissen. 1) Wir sangen in der Schule offenbar sozialistische Lieder und ich kann immer noch das Partisanenlied („Bella Ciao“) in mehr oder weniger falschem Italienisch auswendig (definitiv mehr!). 2) Die Blaumänner der Bühnen-Aufbauphase sind eigentlich Rotmänner, -frauen und -kinder und irgendwie wirken alle ein bisschen wie Super Marios. In rote Farbe getränkt. 3) Eric Lebeau kann nicht nur wunderbar Kinderkonzerte gestalten (meine vierjährige Nichte kennt sein Album seit dem Letzten auswendig), sondern gemeinsam mit Christine Rothacker auch hervorragend sozialistische Lieder in allen (un)möglichen Schattierungen und auf der Ukulele mit Harmonika-Begleitung zelebrieren. 4) Die Hälfte der Theater (Off)ensive steht diesen Sommer auf der Straßentheater-Bühne, das freut.

BEZAHLT WIRD NICHT stammt aus der revolutionären Phase der italienischen Arbeiterbewegung des späten vorigen Jahrhunderts. Das Volk begann aufzubegehren, nach Emanzipation zu streben und wurde dabei von so manchem Intellektuellem unterstützt. Einer von ihnen war Dario Fo, der mit viel anarchistischem Witz, Sprachjonglagen und pointierten Beobachtungen für jede Menge Zündstoff sorgte.

In Fos Volkskomödie beginnt alles mit dem Aufstand von italienischen Frauen im Supermarkt, die sich über die steigenden Lebensmittelpreise beschweren. Aus Protest gegen die Misswirtschaft beschließen sie, alles einzupacken und nichts dafür zu bezahlen – „Non si paga! Non si paga!“.  Als Antonia mit den Armen voller Einkaufstüten an diesem Nachmittag auf ihre Freundin Margherita trifft, gerät sie alsbald in Erklärungsnot. Und das ist erst der Anfang. Denn allen voran darf Giovanni, Antonias Mann, nichts von den Vorkommnissen im Supermarkt erfahren. Giovanni ist zwar klassenbewusst, aber auch sehr gesetzestreu. Antonia verstrickt ihre Freundin in ihr Lügengespinst, das sie höchst kreativ immer weiter spannt. Als unvermutet Carabinieri und Polizisten ausschwärmen, um alle Wohnungen im Viertel auf der Suche nach den gestohlenen Waren auf den Kopf zu stellen, sind plötzlich auffallend viele Frauen schwanger. Hochschwanger. Und die Dinge geraten vollends außer Kontrolle.

Es lässt sich erahnen, warum Dario Fos Zeitgenossen nicht allzu gut auf den Sohn eines kommunistischen Bahnhofvorstehers und Sozialisten zu sprechen waren bzw. sind. BEZAHLT WIRD NICHT lässt kein gutes Haar an der freien Marktwirtschaft und betreibt emsig Systemkritik. Clementis Inszenierung greift die gleichermaßen kritischen wie humorvollen Komponenten auf und entwickelte mit den Darsteller*innen eine frische, moderne Variante; zeitgenössische Einsprengsel und viel südliches Temperament inklusive.

Anja Clementi begeistert als Antonia mit großen Tönen und noch größeren italienischen Gesten. Petra Rohregger bildet als Margherita das passendes Gegenstück. Im Gegensatz zur verbal sehr gesegneten Antonia ringt Margherita als passive Freundin immer wieder um passende Einfälle für weitere Ausreden und lässt sich in ihrer Not gar eine Scheinschwangerschaft mit jeder Menge Lebensmittel anhängen. Giovanni (Géza Terner) ist in seiner Naivität köstlich emotional und absolut gesetzesfixiert. Zumindest so lange es ihm zu seinem eigenen Vorteil gereicht; denn sobald Antonias Ehemann selbst von etwaiger Arbeitslosigkeit bedroht wird, wettert er nicht länger gegen das „Lumpenproletariat“. Unvermutet liebäugelt er sogar mit den Ideen von Margheritas Mann Luigi (Michael Kuglitsch), einer absoluten proletarischen Frohnatur.
Dann sind da auch noch die heiteren Komödien-Elemente, die aus einer Commedia dell’arte stammen könnten. So ist es deshalb nicht weiter erstaunlich, dass es den Gesetzeshüter gleich in mehreren Varianten gibt (Detlef Trippel). Übrigens auch  zur Erheiterung der sichtlich amüsierten Darsteller. Mittlerweile hat das Publikum aber ohnehin bereits Tränen in den Augen. Da bringen dann die 3 Joker und Musiker (vulgo die menschlichen „Requisiten“) bisweilen das Fass zum Überlaufen (Alex Linse, Christine Rothacker und Eric Lebeau wahlweise als Feuerwehrauto, Polizisten mit Spiegelbrille, Glühbirnenangelhalter, Echo usw.). Oder das Publikumslachen zum Überkochen.

Sprachspiele werden zelebriert in BEZAHLT WIRD NICHT und Humor großgeschrieben. Trotzdem bleibt unterschwellig auch die kritische Note hängen und verklingt die sozialkritische Komponente keinesfalls ungehört.

Mit seiner ersten Inszenierung für das Salzburger Straßentheater hat Georg Clementi viel Geschick bewiesen. Bezahlt wurde dann doch. Emsig in die Spendenkörbe, die sich ihren Weg durch die Reihen bahnten (oder deren Weg durch die Reihen von fleißigen jugendlichen und kindlichen Helfer*innen gebahnt wurde). Salzburg darf sich bereits auf den nächsten Sommer und die nächste Straßentheater-Saison freuen. Und bis dahin „una mattina mi son svegliato // O bella ciao, bella ciao, bella ciao ciao ciao…“

Autor: - Veronika Zangl

10.08.2016 - ORF Salzburg

Straßentheater: Hochsaison unter neuer Leitung

Hier klicken, um den Bericht in der ORF-Mediathek anzusehen.

Das Salzburger Straßentheater hat unter der neuen Leitung von Regisseur Georg Clementi zurzeit Hochsaison. Die neu zusammengestellte Truppe zieht von Ort zu Ort, von Stadtteil zu Stadtteil und begeistert das Publikum. Der Wagen des Salzburger Straßentheaters wird von Pferden zum Aufführungsort - etwa den Stölzlpark in Salzburg-Maxglan - gezogen. Die Schauspieler bauen selber die Bühne auf und sorgen auch für die musikalische Unterhaltung. Auf dem Programm steht heuer die Komödie „Bezahlt wird nicht!“ des italienischen Erfolgsautors Dario Fo.

„Es ist jedes Mal ein bisschen anders“

Die Zuschauer haben Gartensessel und Decken mitgebracht und versuchen, es sich so gemütlich wie möglich zu machen - sie sehen turbulente Szenen mit viel Situationskomik. „Es ist immer neu, es ist immer eine neue Umgebung, es sind immer neue Zuschauer“, sagt Schauspielerin Anja Clementi. „Man hat direkten Kontakt. Wir spielen ja auch viel im Publikum und mit dem Publikum.“ Auch Schauspieler Alex Linse ist sich sicher: „Man muss auf alles reagieren, es ist flexibel. Es ist jedes Mal ein bisschen anders, die Leute reagieren anders und es ist großartig.“

Straßentheater unter neuer Leitung

Das Salzburger Straßentheater tourt derzeit durch Stadt und Land - unter neuer Leitung und mit Erfolg. Auch die Zuschauer sind begeistert: „Es ist allerhand, was sie aus dem Wagen da alles leisten können“, sagt Annemarie Labacher. Und Robert Schrei ist sich sicher: „Ich habe jetzt noch Tränen in den Augen vor lauter Spaß. Hut ab!“ Bis 15.August gastiert das Salzburger Straßentheater in den verschiedensten Salzburger Stadtteilen und Bezirken.

Autor: - Renate Lachinger

04.08.2016 - Salzburger Nachrichten

Autor: - Petra Schanek

01.08.2016 - Dorfzeitung

Autor: - Elisabeth Pichler

23.07.2016 - Salzburger Nachrichten

Autor: - Verena Schweiger

22.07.2016 - DrehPunktKultur

Autor: - Werner Thuswaldner

21.07.2016 - ORF

Straßentheater brilliert mit neuem Stück

„Bezahlt wird nicht“ heißt die Farce, die das Salzburger Straßentheater auch zum Fest der Festspieleröffnung heuer auf einer neuen Bühne zeigen wird. Sämtliche Vorstellungen sind kostenlos, ORF-Reporterin Eva Halus war bei der Probe.

Revolutionäre Lieder stimmen das Publikum ein, während der Rest der Truppe den neuen Straßentheaterwagen in eine Bühne verwandelt. Bei „Bezahlt wird nicht“ geht es um Arbeiter, die sich ihr Leben nicht mehr leisten können. Das sozialkritische Stück des italienischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers von 1997, Dario Fo, hat der neue Leiter des Salzburger Straßentheaters, Georg Clementi, für seine erste Spielzeit ausgewählt.

Salzburger Straßentheater 2016

 

Im Stück haben Frauen sich im Supermarkt selbst bedient und dafür nicht bezahlt. Ihre Beute muss versteckt werden - vor den eigenen Ehemännern, vor allem aber vor der Polizei. So tarnen sie ihre gestohlenen Einkaufssäcke als Schwangerschaftsbäuche. Autor Dario Fo verbindet in seinem Stück klassisches Volkstheater mit radikalen sozialistischen Vorstellungen.

Zeitlos gültige Sozialkritik

„Die Figuren in diesem Stück bewegen sich wirklich am Abgrund. Die Mieten sind zu hoch, als dass sie sie noch zahlen können. Die Strompreise sind zu hoch und diese Paare, die im Stück spielen, können sich das Leben nicht mehr leisten“, sagt Regisseur Clementi. Ihn fasziniert außerdem, wie hellsichtig Dario Fo war. „Das finde ich schon eine Leistung, in den 1970ern eine Farce zu schreiben, die sich heute - nicht ganz, aber zu 80 Prozent - bewahrheitet hat“, sagt Clementi. Das achtköpfige Schauspieler-Ensemble sorgt für Turbulenz, Musik und gute Laune - zuletzt siegt vielleicht sogar die Revolution.

Kostenloses Theatervergnügen

„Bezahlt wird nicht“ wird am Donnerstag, um 18 Uhr, im Salzburger Lehrbauhof in der Moosstraße gespielt. Beim Fest zur Festspieleröffnung und bis 15. August folgen insgesamt 40 weitere Vorstellungen in Stadt und Land Salzburg. Sämtliche Aufführungen sind kostenlos.

Autor: - Eva Halus

13.05.2016 - Salzburger Nachrichten

Autor: - Heinz Bayer

12.05.2016 - DrehPunktultur

Autor: - Reinhard Kriechbaum

12.04.2016 - Südwest-Presse

Autor: - Dennis Scheu

23.11.2015 - Salzburger Nachrichten

Autor: - Verena Schwaiger

14.03.2015 - www.kuntbox.at

Grand Vin du Château Clementi

"Welch‘ ein Flaschenglück: Perfektes, komplexes Theater. Ausbalanciert bis ins Letzte. Die Wucht der Interpretation erfasste die weinhungrigen Besucher des Emailwerks wie ein Sauvignon-Tsunami am Wallerseeufer..."

Man fühlt sich nach der Vorstellung von "Solo Vino" zu solchen und ähnlichen Beschreibungen hingezogen. 70 Minuten weinschwangere Monologe von Mariano Cuttin, dem Bankangestellten aus Trient, lassen einem keine Wahl. Wie Georg Clementi die Geschichte um Aufstieg und Fall dieses Weinvirtuosen erzählt, raubt einem förmlich den Atem. Clementi entführt als fesselnder Geschichtenerzähler in die aberwitzige Welt des Weins, seiner Spielarten, Farben, Düfte, Aromen und Geschmäcker. Eine besessene Suche nach den außergewöhnlichsten Beschreibungsformen treiben den Protagonisten in den Wahnsinn. Eine Metapher? Eine Momentaufnahme einer dekadenten Welt? Oder nur eine Geschichte?

Es spielt eigentlich keine Rolle, denn aufgrund des hohen Tempos, das Clementi meisterhaft durchrast, und der Vielschichtigkeit des Ausdrucks - Mimik, Gestik, Sprache, Bewegung - erliegt man irgendwann im Stück einfach der Faszination des Ausdrucks.

"...reines Glücksgefühl im Abgang, bleibt sehr lange haften, viele Fragen im Nachhall, sehr gutes Reifepotenzial, ein unglaubliches, charakterstarkes Theatererlebnis."

 

Um den Orginalartikel zu sehen, klicken Sie hier.

Autor: - Leo Fellinger

15.11.2014 - Ein Achtel Lorbeerblatt

Ist Echtheit Selbstzweck? Macht es eine Geschichte schlechter, wenn jemand anders sie entdeckt hat? Zweimal “nein”, sagt der österreichische Liedermacher Georg Clementi und legt mit “zeitlieder 2” die Ergebnisse eines faszinierenden Experiments vor: Jedes seiner achtzehn Lieder basiert auf einem ganz konkreten ZEIT-Artikel – journalistische Quelle und dichterische Verarbeitung sind auf www.zeitlieder.de direkt miteinander vergleichbar. Muss man sich erst mal trauen!

Wie bei jedem Experiment interessiert: Das Ergebnis. Was also hört ein unvoreingenommener Hörer auf “zeitlieder 2″?

Er hört zunächst einen mit allen Wassern gewaschenen Interpreten, dem die Theater- und Fernseherfahrung in jeder Silbe anzuhören ist. Clementis Sprechkunst und Gestaltungslust mag manchmal die Parodie streifen: Viel häufiger berührt, verführt und amüsiert sie. Diesem Mann kann man 70 Minuten zuhören, ohne auf die Uhr zu gucken.

Auch, natürlich, weil seine Musiker (Akkordeonistin Sigrid Gerlach-Waltenberger und Gitarrist Tom Reif sowie handverlesene Gäste) auf bestechendem Niveau miteinander musizieren. Dieses kleine kammermusikalische Ensemble ist tight wie jede Pop-Produktion, atmet dabei aber menschlich und tänzelt und hüpft und hält inne, dass es eine reine Hörfreude ist.

Und die Lieder? Tja. Natürlich jubiliert der Hörer, wenn ihm statt der üblichen Liedermacher-Themen der Gegenwart (Frauen, Handys, eh alles irgendwie sinnlos und so) Themen der Gegenwart vorgesetzt werden: Die Kommerzialisierung des Traums vom vermeintlich idyllischen Landleben etwa. Massentierhaltung in Deutschland, Massenabtreibungen unerwünschter Töchter in Asien. Oder: Pubertätsleid, Konsumüberdruss, Emanzipation. Die Themenvielfalt ist vorbildlich...

Wie Clementi als Streifenpolizist in “Unter dem Himmel über Berlin” nüchtern, sachlich und neutral die sozialen Kontraste in den Szene-Kiezen schildert, hat große Klasse. Genauso gut sind seine farbenreiche, Wort für Wort sofort Bild werdende Idylle “Da gibt es einen Platz” oder “Liebe, Tod und Wetter”, eine Würdigung des Geschichtenerzählers Wolfgang Kohlhaase .

In solchen Liedern finden ungewöhnliche Themen, exzellente Musik und virtuoser Vortrag zu einer unvergleichbaren Einheit zusammen – Experiment gelungen, CD des Monats!

Klickt hier um die Kritik auf der Originalseite zu lesen

Autor: - Matthias Binner

12.11.2014 - Salzburger Nachrichten

Von Clementi bekommt man nie genug

Der reine, einfache Satz formt sich zu klar verständlichen Botschaften. Sie sind aufgeladen mit Klugheit und Charme. Die eingängigen Melodien, in die sie gut eingepackt sind, zwingen durch gnadenlose Leichtigkeit zum Mitsummen.
Wer Georg Clementis Chansons hört, stellt vor allem aber fest: Dieser Mann ist ein Magier. Er zaubert im Handumdrehen ein Lächeln in die Gesichter des Publikums. Der Zustand hält einen ganzen Abend lang an. Und bei manchem bleibt das Lächeln dauerhaft rund um die Mundwinkel stehen...

Klickt hier um Heinz Bayers Artikel im Original zu lesen.

Autor: - Heinz Bayer

5.11.2014 - Ö1 "Spielräume"

Nach dem großen Erfolg seines Debutalbums 2012 ist nun Clementis zweite Zeitlieder-CD erschienen. Die trifft aber so was von ins Schwarze. Macht gleich am Anfang klar: Hier liebe Leute, hier gehts ums Eingemachte, ums Leben. Die Verpackung mag ein Lied mit hübscher Schleife sein, aber drin findet ihr blutige Herzen, ungeliebte, ungewollte, ermordete Kinder, Tiere bestialisch maschinell zu Tode gebracht. 
Nach seinem gelungenen Debut, verblüfft Georg Clementi mit 18 neuen Zeitliedern, die keine Spur von Ermüdung oder Unsicherheit erkennen lassen, ganz im Gegenteil. Mir scheint, Clementi ist noch schärfer, noch fokussierter geworden. Obwohl die Lieder des Südtiroler Schauspielers noch immer ihre gewisse Leichtigkeit auszeichnet, legt er den Finger noch viel öfter dorthin, wo es wirklich, wirklich weh tut. Noch stärker als bei der ersten CD entsteht bei der zweiten der Eindruck, es mit einem Spiegel der Gesellschaft zu tun zu haben. Der Blick in diesen Spiegel ist oft schmerzvoll und kaum zu ertragen. Z.B. im "Lied eines ungeborenen Mädchens". Manchmal ist er aber auch liebevoll und nachsichtig und kreiert eine ganz wunderbar schwebende Stimmung. Etwa die Schilderung einer Piazza, wie sie in den wärmeren Gegenden unserer Welt so typisch ist. Wir sitzen als Fremde im Kaffeé und sehen den Menschen beim Leben zu.

Autor: - Mirjam Jessa

27.01.2014 - Folker

Wo holt ein Liedermacher seine Inspiration her? Der Schauspieler, Sänger und Komponist Georg Clementi aus Bozen fand seine Quelle in Artikeln der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit. So etwas kann zu einer anstrengenden Übung verkommen, nicht aber bei Georg Clementi: Seine Lieder sind voller Poesie und Melancholie. Sie sind lebenstrunken, nicht selten schwermütig und hüpfen auch einmal ganz leicht. „Blau wie die Seine“, nach einem Artikel von Georg Randow, ein opulent sinnliches Chanson mit Musettecharme, macht den Auftakt des Albums. Als ob die Geister von George Brassens und Jacques Brel ihre schützende Hand über das Lied und die weiteren Stücke des Albums gehalten hätten. Sigrid Gerlach-Waltenberger (Akkordeon), Tom Reif (Gitarre, Bass) und Robert Kainar (Percussion) lassen sich genüsslich von dieser Hand leiten. „Heimat“ heißt eines der eindrücklichsten Zeitlieder. Eigentlich verbindet alle Lieder die Suche nach einem Stück Zuhause. Manchmal, wie im ergreifenden „Kinderknast von Lesbos“ über jugendliche Flüchtlinge aus Afghanistan, bleibt die Tür verschlossen. Im herbsüßen „Salzburg im Schnee“ über Georg Clementis Wahlheimat gelingt das Heimatgefühl für einen Moment.

Originalartikel hier

Autor: - Martin Steiner

02.11.2013 - www.entdeckerei.at

Aus der >Zeit< werden Lieder

Preisgekrönter Ohrenschmaus. Georg Clementi singt, als hinge sein Leben davon ab. Mit Charme und Hingabe verzaubert der Künstler die Menschen. Er spielt, er singt, er ist. Mit jeder Faser und einer Authentizität, die nicht mehr oft zu finden ist. Inspiriert von der Wochenzeitung >Die Zeit< kreiert der Südtiroler Schauspieler, Sänger und Regisseur Chansons, die berühren. Ein Gespräch über die >Zeitlieder< und das Leben…

Herr Clementi, wie wird aus der >Zeit< ein Lied?

Das ist ganz unterschiedlich. Mal ist es eine knackige Überschrift wie: “Liebe, Tod und Wetter”, manchmal eine beschriebene Situation, zum Beispiel: Flüchtlinge, denen bei der Überfahrt von der Grenzpolizei mitten am Meer das Schlauchboot zerschossen wird. Oder nur ein Satz wie: “Es gibt bessere Orte für eine Nierenkolik als die ostsibirische Wildnis”, der mich anregt. Wichtig sind mir Themen, die ich entweder mit viel Poesie oder mit viel Humor verarbeiten kann. Am glücklichsten bin ich, wenn sich beides trifft.

Was bedeutet Singen für Sie?

Lächelnd auf die Welt zu sehen und seine Betrachtungen lustvoll mit anderen zu teilen.

Wer sind Ihre Vorbilder?

Ich liebe so viele Künstler, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Leichter fällt es mir zu sagen, was ich mag – und was nicht: Ich mag Großzügigkeit auf der Bühne und ich hasse Eitelkeit. Ich liebe geistreiche Einfachheit, Verständlichkeit mit Tiefgang. Ich mag Künstler, die sich bewusst sind, dass sie niemals allen gefallen können und die mit ganzem Herzen arbeiten.

Wann fühlt es sich so richtig gut an, auf der Bühne zu stehen?

Es gibt kaum einen besseren Ort als die Bühne, aber sie ist nur dann ein guter Ort, wenn sie von freundlicher Zuneigung, Wohlwollen und Freude umgeben ist. Die beste Voraussetzung dafür sind großzügige Künstler, die viel von sich verschenken, auch untereinander, und ein großzügiges Publikum, das viel zurückgibt.

Was entdecken Sie gerne?

Gutherzige Menschen, humorvolle Weisheit. Dankbarkeit.

Was sind Ihre persönlichen Glücksmomente?

Die meisten erlebe ich mit meiner Frau und den drei Buben. Dass ich meinen Beruf so sehr liebe, hilft natürlich auch, um nicht in Griesgram zu versinken.

Wem hören Sie gerne zu?

Meinem kleinen Joshua. Der ist jetzt neun Monate alt und spricht eine herrlich komische, vergnügte und oft weittönende Lautsprache.

Was war Ihre größte und schönste Auszeichnung?

Es ist toll, Preise zu gewinnen, so wie gemeinsam mit meinen Musikern Sigrid Gerlach-Waltenberger und Tom Reif in Stuttgart und Potsdam für die >Zeitlieder<. Diese Anerkennungen tun natürlich gut. Die größte Auszeichung ist aber ein glückliches Publikum.

Worauf sind Sie stolz?

Nach einer Theatervorstellung kam einmal eine Frau auf mich zu und sagte: “Vor 15 Jahren ist mein Mann gestorben. Heute habe ich zum ersten Mal wieder gelacht.” Darauf bin ich sehr stolz.

Was macht ein gutes Chanson aus?

Ein geistreicher Text, verbunden mit eingängiger Musik. Ein gutes Chanson fährt dir stereo, geradewegs und gleichzeitig in Herz und Hirn.

Ist es schwierig, auf Deutsch zu singen?

Aber nein, wieso denn? Englisch singen, das ist für mich schwer. Oder Finnisch.

Wo werden die Zeitlieder demnächst zu hören sein?

Am 7. November in Saalfelden, am 8. und 9. November im Emailwerk in Seekirchen und am 28. Dezember 2013 beim Winterfest in Salzburg. Im Frühjahr werden wir uns hauptsächlich der zweiten Zeitlieder-CD widmen und einige Konzerte in Deuschland und Südtirol spielen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Um den Orginalartikel zu sehen, klicken Sie hier.

Autor: - Micky Kaltenstein

16.10.2013 - Ö1 "Spielräume"

Trotz der exzellenten deutschen Texte gelingt Georg Clementi so etwas wie südländische Leichtigkeit und auch in den kritischsten Liedern schwingt noch eine ansteckende Lebenslust mit. Mit den "Zeitliedern" ist ihm ein Clou gelungen.

Heute in den Spielräumen der Chansonnier Georg Clementi, dem zusammen mit der Akkordeonistin Sigrid Gerlach-Waltenberger und dem Gitarristen Tom Reif verführerische Chansons gelingen, die auch eine Liebeserklärung an das geschriebene Wort sind. Denn sie sind im wahrsten Sinne des Wortes erlesene Lieder.

Für mich ist Georg Clementi eine richtige Entdeckung, denn seinen Liedern eignet über alles Qualifizierbare hinaus, wie die guten Texte, oder die perfekten und trotzdem sehr unaufdringlichen Arrangements, ihnen eignet das gewisse Etwas.

Autor: - Mirjam Jessa

07.10.2013 - Stuttgarter Nachrichten

Autor: - Bettina Hartmann

18.07.2013 - Echo

Autor: - Andrea Hinterseer

03.07.2013 - Bezirksblatt Tennengau

Autor: - Silke Stein

01.06.2013 - Salzburger Fenster

Autor: - Petra Suchanek

10.05.2013 - Dolomiten Magazin

Autor: - Klemens Riegler

01.05.2013 - In Südtirol

04.04.2013 - ff - Südtiroler Illustrierte

Autor: - Markus Larcher

20.01.2013 - Liederbestenliste

Die persönliche Empfehlung Lied – Februar 2013
Georg Clementi – Das Kopftuch
Empfohlen von: Christian Beck, Berlin

Hier ein Auszug:

"…Womit das Lied schon einmal über eines der gewichtigsten Qualitätsmerkmale verfügt, über das Lieder zu aktuellen Themen verfügen können: Unentscheidbarkeit, einen bleibenden Konflikt. Im vorliegenden Fall, in dem auf erstaunliche Weise noch im Kleinsten niemals das Große und Ganze verloren geht, ganz besonders. Ausgesprochen gut bekommt dem heißen Thema, dass es hier im leichten Reggae Riddim so gefällig groovend daherkommt. Griffiges melodisches Grundmotiv, klare Struktur, entspannter Rhythmus, luftig locker schwebender, ausgesprochen freundlicher Grundduktus – wenn auch immer wieder gekontert von den energisch zupackenden Ausbrüchen Clementis, wenn die kurze Grundsatzrede etwas Nachdruck verlangt. Das alles mit Sigrid Gerlach-Waltenberger und Tom Reif in höchstem Maße sachdienlich gekonnt dargeboten. Und wohl ganz offensichtlich auch noch mit einiger Ironie...Dazu zumindest für Freunde eingängiger Popmusik einiger potenzieller musikalischer Genuss – viel mehr kann man von einem Lied nicht verlangen." 

Wer den kritischen Text als Ganzes lesen möchte, klickt hier.

Autor: - Christian Beck, Berlin

29.11.2012 - Salzburger Nachrichten

Autor: - Peter Gnaiger

07.10.2013 - Stuttgarter Nachrichten