Liebe Tod und Wetter

 
Ich wollte nur von München nach Berlin mit dir
Sechs Stunden über Leipzig mit dem Zug
Nun sitz ich hier und kriege nicht genug
Deine Geschichten saug ich auf wie ein Vampir

Du sprichst von Wiegenliedern und vom Taj Mahal
Von Liebe, Tod und Wetter und vom Glück
Ich reise bis nach Indien und zurück
In einem Zugabteil und bin doch überall

In Rom und in Paris, in deiner ersten Liebesnacht
Ich seh die Frau vor mir, die einen Mann aus dir gemacht
Das alte Kinderzimmer, die nagelneue Feuerwehr
Dein rotes Cabriolet, hör bloß nicht auf, erzähl vom Meer.

Ich wollte nur von München nach Berlin mit dir
Sechs Stunden über Leipzig mit dem Zug
Nun sitz ich hier und kriege nicht genug
Deine Geschichten saug ich auf wie ein Vampir

Du sprichst von großen Dingen und vom Apfeldieb
Von Liebe, Tod vom Wetter, von Marie
Ich treffe deine Menschen und auch sie
In diesem Zugabteil und hab sie sofort lieb

Die kranke Schweizer Frau, die diese schöne Geige spielt
Den Polizistenarsch, der dich für einen Mörder hielt
Was ist denn da passiert, was sagte er, wie kam er drauf
Erzähl jedes Detail, sei ganz genau, hör bloß nicht auf

Erzähl noch mehr vom Witzbold, der seine Pointe nie verriet
Und warum weint das Kind, wenn es Magnolienblüten sieht
Die List, der Paff, die Angst, der große Schmerz, das Luftgewehr
Das Drehbuch und der Film. Hör bloß nicht auf, erzähl mir mehr.

Ich wollte nur von München nach Berlin mit dir
Sechs Stunden über Leipzig mit dem Zug
Nun sitz ich hier und kriege nicht genug
Deine Geschichten saug ich auf wie ein Vampir

Erzähl von der Geburt, erzähl vom Mauerfall
Von Liebe, Tod und Wetter, und von Wien
Ich sitze heut von München bis Berlin
Mit dir im Zugabteil und wir sind überall 

Liebe Tod und Wetter

Text: Georg Clementi nach Liebe Tod und Wetter von Andreas Dresen, DIE ZEIT Nr. 7 vom 11. Februar 2010
Musik: Sigrid Gerlach-Waltenberger / Georg Clementi

Tom Reif: Stahlsaiten-Gitarren, Fretless Bass
Sigrid Gerlach-Waltenberger: Akkordeon
Robert Kainar: Schlagzeug

Andreas Dresen schreibt in der ZEIT über den Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase: „Bei einer mehrstündigen Bahnfahrt mit ihm reist man außer von einem Ort zum anderen auch noch durch Zeiten, zu Menschen und erstaunlichen Begebenheiten. Und immer sind sie rührend, meist auch zum Lachen." Das Lied "Liebe Tod und Wetter" ist eine Phantasie zu diesen seinen Sätzen.

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